6.November 2018

NEUN
Ruhe

Das Bett ruft mich!
In der Ruhe liegt die Kraft.

angeblich Konfuzius

Ich hielt diesen Spruch für ein Axiom - Eine Aussage, die einfach grundlegend wahr, aber nicht beweisbar ist - bis ich feststellte, dass es natürlich auch andere Meinungen gibt. Manche sagen überspitzt: "schlafen kannst du noch genug, wenn du tot bist?" - Wenn dann mal das Bett ruft, aber noch so viele unvollendete Projekte vor mir liegen, komme ich manchmal in einen inneren Konflikt.
Da ich jetzt angefangen habe beim Metzger in einem Job zu arbeiten, für den ich oft vor vier Uhr aufstehen muss, stellt sich mir die Frage erneut, ob es richtig ist, sich regelmäßig acht Stunden Schlaf zu gönnen. Sollten wir vielleicht lieber unsere Schlafdauer reduzieren um in dieser Welt mehr erreichen oder verändern zu können?
Der Uberman, ein Schlafrhythmus, der uns mit zwei Stunden Schlaf täglich auskommen lässt, hat bei mir schon mal nicht funktioniert. Wenn ich häufig nur sechs Stunden oder weniger schlafe, habe ich einfach das Gefühl, nicht so fit zu sein.
Andererseits reicht es, einmal zu lange zu schlafen - und auch das macht müde. "Wenn man nichts tut, wird man müde", hat unsere Pastorin gesagt und ja, das stimmt auch: die schönsten Tage an die ich mich erinnere sind nicht die, an denen ich faul herum gesessen bin, sondern jene, an denen ich bis zur Erschöpfung an etwas gutem arbeitete. An solchen Tagen konnte ich fröhlich und zufrieden ins Bett gehen, um am nächsten Tag wieder motiviert aufzustehen.

Schlaf ist keine Zeitverschwendung! Der Körper braucht Zeit, um nach einem anstrengenden Tag und viel Stress abzuschalten und sich auf den Schlaf einzustellen

Professor Ingo Fietze

Wenn ich die Quintessenz der Wissenschaft und der biblischen Lehren über Schlaf und Ruhe gefunden haben sollte, ist es folgende Aussage

Arbeite am Tag und schlafe in der Nacht.
Finde das richtige Maß an Ruhe, dass du brauchst.
Mach dir keine Sorgen, du könntest Zeit damit verschwenden.

22.Oktober 2018

Acht
Das Stachelschwein-Dilemma

Leben = Beziehung
Es gibt Milliarden von Menschen auf der Welt, da sollte es doch möglich sein, ein System zu finden, in dem niemand einsam sein muss.

aus Pizza zum Frühstück. Wenn Kinder das Sagen hätten von Suzy Becker

In seinem Buch "Jeder ist normal, bis du ihn Kennenlernst" schreibt John Ortberg über Beziehungen, dass jeder Mensch ein Mängelexemplar ist, ein Stachelschwein, das dazu neigt, andere zu verletzen. Wie man vermeidet, dass eine Beziehung zu Verletzungen führt, erklärt er dann in den weiteren Kapiteln.
John Ortberg führt viele Zitate zum Thema zusammen. Maria Paul schreibt zum Beispiel in der Kolumne, in der sie ihre Einsamkeit bekennt:

"Es ist so einfach, den Tag mit Arbeit auszufüllen, aber das ist nicht genug."

Es gebe zwei grundlegende Erfahrungen: das Knüpfen von Beziehungen und das Erbringen von Leistung. Ein Grund für das vorliegende Ungleichgewicht (Leistung spielt heute eine übergroße Rolle.) ist folgender:

Es gibt praktisch niemanden, der nicht geheime Zweifel an seiner Normalität hegt.

Alan Loy McGinnis (The Friendship Factor)

Wir sind praktisch alle seltsam und die ganze Welt verfehlt die Norm. Der Durchschnitt ist also ungenügend. Das führt uns in das genannte Dilemma. Wir alle suchen Beziehungen, stechen uns aber gleichzeitig gegenseitig. Um das zu überwinden müssen wir wohl unsere Einsamkeit offenlegen und das ist anstrengend.

Einsamkeit ist der Aussatz der modernen Gesellschaft und niemand möchte, dass man von ihm weiß, dass er aussätzig ist.

Mutter Theresa

Die Einsamkeit offen zu legen, ist keine richtige Bloßstellung, denn es handelt sich um ein Problem, das fast jeder, der uns zuhört, wenn wir davon erzählen, selbst hat. Jeder muss also innerlich auf der Suche nach dem System sein, das die Einsamkeit überwindet. Wenn wir uns auf dieser Suche zusammentun, haben wir schon viel gewonnen. Diesen Eintrag haben wir (meine Schwester und ich) zum Beispiel gemeinsam geschrieben. Denn es ist nicht gut für uns Menschen, allein zu sein.

25.September 2018

SIEBEN
Was wäre wenn?

Was wäre, wenn wir anklopfen würden?
Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

Matthäus‬ ‭7,7‬ - Luther 1912

Denkst du vielleicht: "Hilfe, ein Bibeltext, soll ich mich jetzt bekehren?", oder: "Hoffentlich eine ermutigende Predigt!" - in beiden Fällen will ich dich enttäuschen:
Es geht hier nicht um deine Erlösung, noch um dein geistliches Leben. Es geht um ein Praktisches Prinzip. Nimm mal an, du stehst vor einer Tür und möchtest herein, aber du hast keinen Schlüssel. Wenn du klopfst oder klingelst, wird dir wahrscheinlich jemand aufmachen. Wenn nicht, wahrscheinlich nicht.
Natürlich, das versteht doch jedes Kind - und warum hast du dann Angst, deinen Nachbarn zu besuchen. was sollen die denken, wenn ich da einfach so aufkreuze? Ich habe lange genug gewartet, dass jemand zu mir kommt. Wenn das ein Ende haben soll, muss ich wohl jemanden anrufen und einladen. Wenn wir eine Beziehung suchen, müssen wir anfangen Menschen anzusprechen. Wenn du dir etwas wünscht, dann verschicke doch mal einen Wunschzettel an einen Freund.
Was wäre, wenn wir das radikal umsetzen würden. "Niemand erhält jemals eine Antwort auf die Frage, was wäre wenn.", sagt der Löwe Aslan in Narnia. Wir müssen es umsetzen, um zu erfahren, was es bringt. Probieren wir es aus?
- Probieren wir es aus!

19.Juli 2018

SECHS
glücklich sein

sind Sie glücklich?

Johanna hat mich beim WWW-Seminar (am 14.07.18) gefragt, was es heißt, glücklich zu sein. Ich antwortete: "glücklich sein ist ein Gefühl."-"aber ist es nicht auch eine Einstellung"-"ja beides." So ungefähr. Johanna hatte mich gebeten allgemein schnell zu antworten, nicht zu lange zu überlegen, um sicher etwas schlaues zu sagen. Ich hatte gesagt, was mir als erstes einfiel. Als ich sie dagegen fragte, was es hieß, glücklich zu sein, antwortete sie nur: "Ich habe meine Definition noch nicht gefunden" - diese Wichtigkeit, die sie scheinbar dieser Frage zumaß, dass sie nicht sofort antworten wollte überraschte mich. Vielleicht hatte ihre Antwort aber auch einen anderen Grund.
Also entschloss ich mich, auch noch genau darüber nachzudenken und vor allem Gottes Wort zu fragen. Meine Konkordanz gab mir nur einen Vers aus, der das Wort "glücklich" enthielt:

Siehe, das sind die Gottlosen; die sind glücklich in der Welt und werden reich.

Psalm‬ ‭73:12‬ - Luther 1912

Interessant, sollten wir "in der Welt" nicht glücklich sein? Sollten wir Gottesfürchtigen, Heiligen, Christen nicht glücklich sein, nicht reich werden? Nein, wir sind nicht zufrieden mit dieser Welt, eine Sehnsucht nach mehr liegt richtiger Weise in uns, wir werden daraus zu Menschen, die den Himmel anstreben für sich und die anderen, wir wünschen uns den Reichtum nur als zusätzliches Aroma zu dem Abenteuer, dass wir mit Gott erleben, wenn wir seinem Reich dienen. Natürlich sind wir froh und auch zufrieden, weil Gott uns erlöst und erfüllt hat. Weiterhin arbeiten wir und treiben die Ernte ein, wir sind zufrieden mit dem gesamten Bild, von dem wir jetzt nur einen Ausschnitt sehen, aber wir können nicht zufrieden sein mit den Früchten die noch ungeerntet sind, deshalb beten wir für Arbeiter in der Ernte.
Was das Wort glücklich angeht, komme ich zu dem Schluss, dass es ursprünglich Gottlos ist. Das mittelhochdeutsche Wort "gelückelich" war sicher noch weit verbreitet als Luther die Bibel übersetzte und bedeutet: "vom Zufall abhängig, günstig, zu Glück" (Google-Wörterbuch aufgerufen am 17.06.18 um 9:05) es hat nichts mit Freude und Ruhe und Frieden zu tun, die ein Christ hat. Es ist aber natürlich heute allgemein anders gemeint. Man versteht, es als Synonym zu "fröhlich". Aber richtiger Weise muss ich sagen, dass ich nicht "glücklich" bin, dass du diesen Text liest. Denn ich habe mit Absicht dafür gesorgt, dir den Text zur Verfügung gestellt und dich irgendwie motiviert, ihn bis hier her zu lesen. Du hast dich freiwillig entschieden, ihn zu lesen und ich sehe keinen "gelückelichen" Zufall an dieser Tatsache - also bin ich zwar froh aber nicht "glücklich". Sei froh, dass du so bist wie du bist, auf Gott, der dich gemacht hat, kannst du dich verlassen, auf das Glück nicht.

5.Juli 2018

FÜNF
über meine Opa

Abschied nehmen
Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir ungefragt weggehen und Abschied nehmen müssen.

Albert Schweitzer

Als vor vier Wochen mein Opa plötzlich nicht mehr da war, konnte ich nicht richtig damit umgehen. Niemand sagte mir, wie ich zu trauern oder zu weinen hatte. Und vorher hatte ich mehrere Monate lang nicht geweint. Ein guter Freund verbat mir sogar langfristig zu trauern. Was konnte ich tun?
Der Tage, die mein Opa und ich gemeinsam verbrachten, waren wenige. Wir besuchten unsere Großeltern mindestens einmal, aber wir sahen sie selten mehr als zwei, vielleicht drei mal im Jahr. Meist waren unsere Treffen auf Weihnachten, Ostern und einzelne Geburtstage beschränkt und sehr unregelmäßig. Wenn ich mir etwas von meinen Großeltern wünschen durfte schämte ich mich immer mehr, weil ich das Gefühl hatte sie auszunutzen, sie nicht wirklich zu lieben. Doch natürlich liebte ich sie, aber ich konnte die Liebe nicht so ausdrücken wie sie es taten, einfach aus finanziellen Gründen und wegen des Altersunterschieds.
Als ich meinen Opa zuletzt sah, war sein Abgang nicht vorauszusehen, Er gab mir mit dem üblichen Humor seine Großväterlichen Ratschläge und wir plauderten etwas oberflächlich über mein Leben. Vielleicht, denke ich mir jetzt, hätte die Beziehung tiefer sein können. In meinem Leben ergibt sich nämlich keine Lücke, keine Leere, mein Opa hatte keinen Platz in meinen Träumen und Plänen gehabt…
Außer dem innerlichen Wunsch, ich könnte ihn auf meiner Hochzeit sehen, er würde meine Kinder noch auf den Arm nehmen - schön wäre das für ihn sicherlich gewesen, doch mein Interesse daran war egoistisch: Mein Opa hatte oft gesagt, er wisse nicht, wie lange er noch leben würde, ob sie wohl noch da wären, wenn ich achtzehn würde - das wollte ich ihm gerne beweisen. Und ja mein Geburtstag war zwei Tage vor seinem Tod und ja er konnte mir noch gratulieren. Doch jetzt ist er weg.
… und da bleibt kein Schmerz, kein Loch im Herzen. Ich kann weiterleben wie zuvor und das freut mich auch. Auf der anderen Seite will ich nicht weiterleben wie zuvor. Ich will, dass dieser Todesfall mir als Erinnerung dient, Leben zu schenken und das Gute, das Positive laut auszusprechen, Menschen zu Ermutigen, Beziehungen zu vertiefen.
Nicht jeder Mensch, den ich getroffen habe, muss mich zum Weinen bringen, wenn er stirbt, aber jeder Mensch, der mich getroffen hat, soll eine Spur von Gottes Liebe in seinem Leben behalten, wenn ich gehe.

18.Februar 2018

VIER
harte Arten von Gnade

Vier Tage in St.Johann in Tirol Snowboarden liegen hinter mir. Was hat das denn mit Gnade zu tun und was könnte daran hart sein? Wo finde ich hier eine Parallele?
EINS Bei einer Piste kommt man ja irgendwann unten an und vorher hat man einen gewissen Druck, der einen weiter zieht - die Gnade (nicht zu bekommen was man als Strafe verdient hat) ist wohl dieses Tal in dem man sich wieder findet, wenn man unangenehmer Weise vom schlechten Gewissen nach unten gezogen wird.
ZWEI in der Abfahrt können wir stürzen - außerhalb der Gnade eine Strafe empfangen, doch dies hindert nicht daran, ganz unten anzukommen, auch wenn es mal weh tut.
DREI harte aspekte sind, dass man die Piste herabfahren, den Druck der Schuld erfahren und sich dieser Schwerkraft ergeben muss - nichts anderes außer der Bewegung nach unten kann zur Erfüllung führen.
VIER Menschen müssen über uns stehen / wir müssen sie zurücklassen um unten anzukommen, doch der Weg nach unten ist der einzige Weg, der schnell nach oben führt, wenn man die Gondeln im Gedächtnis behält.

18.Januar 2018

Drei
Thesen über Judo

Vielleicht könnte ich mir nächstes Mal ein bisschen mehr Zeit nehmen, um Fakten zu liefern. Doch über Judo weiß ich fast nichts, außer, dass es sanfte Kunst bedeutet:
EINS Judoka ist jemand, der selbst nachgibt um jemanden zu besiegen. Es scheint, dass sein ganzes Leben aus der Aggression des Gegners entspringt, nicht aus der eigenen.
ZWEI Nachgeben heißt niemals Aufgeben. Denn Sanftmut ist eine Form äußerster Selbstbeherrschung, was jegliche Unterwerfung durch andere Menschen ausschließt. Ein sanfter Künstler wahrt seine Freiheit
DREI Wer nachgibt, ist weder passiv noch zurückgezogen. Die Beherrschung der eigenen Identität und das Bewusstsein führen zu Taten, die unbedingt zu Judo gehören. Es handelt sich hier nur nicht um normale Schläge.

7.Dezember 2017

ZWEI
Das Haus vong Nikolaus

Warum hat das Haus eigentlich keine Tür? Kommt der Nikolaus bei seinem eigenen Haus auch durch den Schornstein oder war das der Weihnachtsmann? Fragen über Fragen, und warum ist dieser Beitrag einen Tag zu spät dran?
Es kann nichts gutes heißen, wenn irgendjemand nicht die Tür benutzen darf. Jesus hat ja schon gesagt, dass nur Diebe durch Fenster oder irgendwelche Löcher einsteigen. Er selbst geht nur durch die Tür und die können wir auch gut und gerne zuhalten, wenn sein Besuch uns nicht lieb ist. Dann sollten wir allerdings auch nicht Weihnachten feiern. Nach der Christianisierung des Abendlandes hat nämlich die Christenheit ihr Patent an diesem Fest, das davor wahrscheinlich genau so esoterisch war wie Halloween. Wir können uns ja noch die nächsten 17 Tage Gedanken machen, ob wir 1 Türchen für Jesus aufmachen und uns am 24. einen Abend gönnen, der vong Holiness her better ist als die letzten Weihnachten.

27.Oktober 2017

EINS Den Lesern
gewidmeter Beitrag

Witzig? das gilt nur, wenn du bis zum Ende ließt. Wofür stehen hier überhaupt Einträge im ganzen weiten Internet, wenn die meisten sehr selten gelesen werden? Lieber Leser: mit solchen Fragen will ich nicht diesen Blog füllen – auch nicht mit Fragen wie: „hätte er nicht ‚/Liebe Leserin‘ oder [noch besser} ‚Liebe Lesende‘ schreiben müssen?“
Doch was soll eigentlich hier rein? Es wird ja auch nicht immer ein Bild von einer Blume geben, zu dem ich dann einen Eintrag schreibe, der eigentlich andere Einträge beschreibt.
Ich möchte diesen Blog mit Texten bereichern, die entweder aussagekräftig oder lustig sind. Das heißt, du findest EINS Vielzahl an Botschaften und vielleicht Ratschlägen, gemengt mit Beiträgen, die ich nur hinterlasse, weil ich meine eigenen Schriftstellerischen Übungen nicht verborgen lassen will. Dabei sollte es sich eben dann aber um etwas humoristisches handeln.
Der Beitrag heißt EINS und ist dir gewidmet.